über Wasser, Wolken, Stahl und mehr. . .

Einbände & Mappen

  1.  Beck-Texte
  2. Dokumenten Mappen
  3. 90 Jahre Raben



1. Beck-Texte

Seit Mai 2020 bin ich als ehrenamtlicher Arbeitsrichter am Arbeitsgericht Koblenz bestellt. Als Nachschlagewerk habe ich daher immer die Sammlung "Arbeitsgesetze" von Beck-Texte in der jeweils aktuellen Fassung dabei. Das Buch ist ein kleiner Klotz und nicht wirklich schön anzusehen. Daher wollte ich mir einen schönen Einsteck-Umschlag anfertigen, der es einerseits erlaubt, das Buch jährlich schnell gegen die aktuellste Version auszuwechseln und andererseits auch nett anzusehen ist. Ebenso wären natürlich ein paar Marker, zum schnellen Auffinden der unterschiedlichen Gesetzes-Stellen sehr hilfreich. Um diese Sammlung hier geht es:

Der Entwurf war schnell gemacht, hier konnte ich den schönen Jugendstilrahmen aus dem vorherigen Projekt verwenden und mit einem netten Titelbild verfeinern... (Quelle: justitia entworfen von Tosun) Der Hintergrund wird noch als punzierte Fläche gearbeitet. Der Entwurf ist aktuell aber noch nicht fertig, steckte ich doch noch im vorherigen Projekt.

Ich machte es mir hier aber einfach und so wurde das Dampfpaddler Logo lediglich  durch mein Trainingsschwert, (geschmiedet nach eigenem Entwurf), ersetzt, das Gesamtdesign fand ich so stimmiger...

Der Druck des Klischees erfolgte zügig und dieses Mal übernahm ich auch direkt die Ausrichtmarken zum Pressen.

Hier der gepresste und verhunzte Rohling...

Ja, wenn ich mal etwas für mich machen will, geht es schief... Mit einem netten "Klong", welches ich erst nicht zuordnen konnte, begann der Pressvorgang für das Schwert. Komisches Geräusch, nun ja, die Presse war aber doch noch in Ordnung...?

Als ich sie wieder öffnete, sah ich die Bescherung. Das ach so "intelligent" gedruckte Klischee gab direkt doppelt nach. Einmal haben die filigranen Linien nachgegeben, die ich ja durch geänderte Slicing-Einstellungen besonders stabil drucken wollte, und, da ja auch kein "stützendes Vollmaterial" mehr in der Nähe war, knickten die Linien der Klinge dann auch noch einfach um...

Schlimmer ist eigentlich, dass dieses Mal auch die Füllung nachgab, da muss ich wohl zu meinen alten Einstellungen zurückkehren und zunächst vor allem die Zeichnung überarbeiten, neu extrudieren, neu drucken (läuft schon), und neues Leder zuschneiden....

Oder ob ich den Schrott nochmal versuchen soll zu retten?

(Meinen Tabakbeutel wollte ich heute ebenfalls pressen und auch hier, mit dem anderen Schwertklischee, das gleiche Spiel... Leder verhunzt! Irgendwie kam da dann auch noch ein Fleck auf das Leder - Keine Ahnung wie. Besonders ärgert mich, dass dieses Lederstück bereits sauber geschnitten und die Nähte auch schon vorgelocht waren. Vielleicht mach ich den aber doch noch fertig, jetzt habe ich aber wirklich überhaupt keine Lust mehr. Da gehe ich jetzt lieber kochen, das tue ich innerlich ja ohnehin schon...)

Heiligabend habe ich dann doch versucht, das Leder zu retten, hatte sogar schon einen Plan "B in der Hinterhand", aber das Kaschieren durch Punzieren hat recht gut geklappt und so wird das Missgeschick normalerweise kaum jemand auffallen - hoffe ich. Es ist ja ohnehin nur die Rückseite des Buches.

So kommen dann auch die Details besser raus:

Was lange währt, wird endlich gut..., so ist es nun fertig,

natürlich mit den besonders wichtigen Lesezeichen...

Im Gegenlicht wirkt das Leder auch sehr schön plastisch, man kann das gar nicht richtig "einfangen".

Die reparierte Rückseite gefällt mir nun sogar selbst.


2. Dokumentenmappen

Weihnachten 2020 nahte, und so wollte ich meinem Vater ebenfalls stolz ein Stück verzierte Rinderhaut schenken. Aber für Schwertscheiden o.ä. hat er keine Verwendung. So fiel mein Gedanke auf eine Dokumentenmappe, die mit seinem selbst entworfenen Wappen (er hat nach allen heraldischen Regeln für seine Brüder und sich selbst (Fische) bürgerliche Wappen entworfen, die eintragefähig sind. Ein Wappen, welches ich als sein Sohn ebenfalls unverändert führen darf. Hier das von ihm entworfene Original.

Dieses Wappen wollte ich klischeefähig umarbeiten und in großem Format auf der Vorderseite der Mappe verwenden. Die Mappe soll mit einer 80mm 2-Loch Ringbuchmechanik ausgestattet werden und so groß sein, dass  eingelegte DIN A4 Klarsichtfolien mit eigener Lochung nicht direkt bündig zum Aussenrand abschliessen, sondern der umlaufende Rand diese gut überlappt..

Also Entwurf, Lederbestellung eines kompletten Halses und dann konnte es zeitgleich mit Planung, Entwurf und Druck weitergehen. Das kräftige Stück Leder wurde schnell geliefert und sofort zugeschnitten,

Ich schnitt für 2 Dokumentenmappen (á 32 x 56cm), für den Beck-Texte Einband, den Snooker-Lappen und einen Tabakbeutel direkt mehrere Rohlinge großzügig vor...

Im Zuschnitt und der Vorbereitung plante ich also direkt auch noch eine Mappe für mich selbst ein. Hier sollte auf der Rückseite meiner Mappe auch das Krifon Logo zum Einsatz kommen. (Bei meinem Vater verzichtete ich darauf, er hatte zu der Fechtschule ja keinen Bezug. )

Für das Pressen benötigte ich allerdings noch eine variable Unterlage , die Mappen wurden ja einige Zentzimeter breiter als das DIN A4 Format der Presse aufnehmen konnte und ich konnte es ja schlecht wegfalten; so kam es zu Trick 17.

Ich ließ mir eine Granitfensterbank in drei Stücke á 25,5cm schneiden und hatte so genügend Plkatz um das Leder in einem vertretbaren Radius seitlich nach unten zu führen. Das funktionierte auch sehr gut.

Die C-Klemmen machte hier eine wunderbar unnachgiebige Figur und die Drucke konnten feinfühlig mit der Schiebelehre eingestellt werden. So werden alle Bereiche sehr exakt mit der gleichen Tiefe eingeprägt.

Die erste Augenscheinnahme des ersten richtig großen Pressvorgangs war sehr befriedigend.

Ein passender Seilrahmen wurde punziert, wie auch ein schönes Korbgeflecht auf der Rückseite.

AQlles andere als perfekt, aber die meisten der dabei von mir gemachten Fehler, sehe ich aber wohl nur selbst...

Dann wurde die Vorderseite noch verfeinert...

Die größten Hindernisse waren dabei die alten Augen und das absolut unzureichende Arbeitslicht...,

aber das Ergebnis ist auch ohne Finish schon recht ansehnlich.

Wie auch die Rückseite

Auch hier sind die Details so schon deutlicher und "antiker"...

Pünktlich ist es fertig, auch wenn noch viel zu machen war. So z.B. der Schutz der Vorderseite, hier sollten sich auf keinen Fall im Laufe der Jahre die Ringe der Mechanik durchdrücken, also druckte ich eine dünne Verstärkung, die gegenüber, also an der Auflagefläche der Ringbuchmechanik unter das Innenfutter geklebt wurde.

So bleibt die Ansicht dauerhaft erhalten

Auch hier sieht man beim Foto erst im Gegenlicht das schöne Profil.

Innen wirkt das dünne Velourleder edel und der "Ausbeulschutz" ist, wie beabsichtigt, gar nicht zu erkennen.

Auch die Rückseite bietet ein schönes haptisches Erlebnis, wenn man die Mappe in die Hand nimmt. Die Buchecken wie auch die Vernietung habe ich passend in Altmessing gewählt.

Ich hoffe nun, mein Vater hat daran genauso viel Spaß, aber die Zeichen stehen gut..., und es ist gelungen, die Überraschung war perfekt, er ist absolut begeistert, "sein Wappen" in Leder...


3. 90 Jahre Raben

Die Raben-Mappe, ein Präsent für den Firmenchef der Raben-Group, im neuen Branding, aber in einem Used-Look, der auch optisch die 90-jährige Firmengeschichte transportiert, zu nutzen als Notizbuch mit Ringbucheinlagen oder als Terminer, hier im Schnelldurchlauf.

Der Entwurf zum großen Jubiläum

Nach rund 25 Stunden waren die Klischees entworfen und wurden in 37,5 Stunden gedruckt, dann das Leder zugeschnitten und alle Positionen festgelegt.

Nun wurde gepresst, leider zerbröselte es mir dabei alle 3 Granitplatten, da sich die Presse dem Druck nicht gewachsen zeigte. Die obere Druckplatte verformte sich, (immerhin  elastisch), und sprengte so die Platten. (Allerdings konnte ich auch hier schon eine leicht umzusetzende Lösung für die Zukunft finden...)

Die negativen Klischees funktionierten wunderbar.

Der Hinweis auf das Gründungsjahr darf nicht fehlen...

Die neuen Piktogramme stehen für das Leistungsangebot und die Werte der Raben-Group.

Das neue Motto

das Färben, ...

 ... Formen, ...

das Altern: ... Matschen, Schleifen, Matschen, Schleifen, ...

Zu ungleichmäßig, da muss man eben nochmal ran.

Endlich zufrieden, jetzt noch mal in Ruhe trocknen, dann wird versiegelt und die Austattung montiert.

Auch die Versiegelung musste mehrfach erfolgen und es musste noch mehrfach geschliffen werden, bis ein wirklich brauchbares Resultat erzielt war.

Die fehlenden Materialien drudelten nach und nach ein, es kann weitergehen. Die billig anmutenden Stifthalter die für solche Notizbücher angeboten werden, egal ob Stahl oder Kunststoff, verwarf ich zugunsten einer soliden Lösung mit breiten Gummibändern. Da die Innenseiten mit rotem Wildleder bezogen werden, verhindert hier eine schwarze Velourlederunterlage häßliche Striche von Kugelschreibern, Federhaltern und Bleistiften...

Hier kommt auch der "diebstahlsichere" Lamy gut zur Geltung.

Damit das Leder und die Gummibänder mit ihren Nähten nicht so dick auftragen, wurden in das Innenfutter vor dem Kleben Fenster eingelassen.

Die Löcher für die Niete wurden gestanzt und natürlich sollte auch hier die Ringmechanik keine Beulen in die Vorderseite drücken.

Verklebt und vernäht sollten hier Kugelschreiber und Federhalter die nächsten Jahre sicher halten...

Die Kanten gebrochen, geschliffen, gefärbt, versiegelt und poliert, die Mechanik vernietet und die Buchecken montiert...

Hier muss noch eine Füllung rein, nebst Glückwunschkarte...,

dann ist es von hinten...,

bis vorne, ... schick!

Noch eine dezente Dampfpaddlerprägung, dann ist es wirklich fertig zur Übergabe, wir liegen perfekt im Timing,

denn jetzt kann das Jubiläum im April kommen.

und es wird verschickt...