über Wasser, Wolken, Stahl und mehr. . .

Das "Ordalium"

1. Vorschau


2. Aber der Reihe nach: Entwurf bis Druck

Das "Ordalium", ist eine Wurfwaffe, die nicht so präzise ist, wie ein Schwert. Aber elegant, schwer und wirkungsvoll. Rund 1kg Gewicht, ~2,5 cm (1") dick und 38,0 cm lang. Als Stichwaffe und "Dosenöffner" geeignet, aber vorwiegend auf Entfernungen von 5m - 15m als Wurfgeschoss geeignet... Diese Waffe wird aber bei mir kaum jemals Gebrauchsspuren aufweisen, denn ein Ordal wird ja nicht trainiert.

Brachiale Wirkung ist eigentlich immer gegeben, egal, wie das sich drehende Geschoss aufschlägt, allerdings ist es besonders eindrucksvoll, wenn man exakt trifft, wie man an diesem Rinderschädel gut erkennen kann.

(Zart besaitete Gemüter scrollen jetzt besser schnell weiter!)

Zu meinem Bedauern, ist eine Gravur dieses schlichten und recht glatten "Wurfzeugs" nicht möglich, ich hätte es gerne in drei parallelen Linien, in Spiralen auslaufend gravieren lassen. So sollte es griffiger werden und auch nett anzusehen sein.

Leider ist dies technisch ohne großen Aufwand nicht möglich. Es ist nicht der 1055er Stahl, der die Probleme bereitet, sondern die Form. Kaum richtig einzuspannen und dadurch gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es nicht gelingt..., dieser Gedanke musste also nach einigen Beratungen mit den Fachleuten aufgegeben werden.

Nun gut, sehen wir mal weiter...

3. Das eigentliche Problem

Wie soll es aber getragen werden? Am Gürtel, in einer Scheide wie ein Messer?

An beiden Seiten ist es wirklich extrem spitz, man könnte sich den Unterarm damit stark verletzen. Es muss also beidseits gut eingepackt werden, das hohe Gewicht gut und wackelfrei aufgenommen werden, soll aber dennoch jederzeit, schnell und vor allem einhändig eingesetzt werden können. Also scheiden Schnallen mit Endkappen aus, stilistisch absolut unpassende Druckknöpfe kommen natürlich gar nicht in Frage!

Mir fiel dann irgendwann doch ein schöner, sicherer und sehr schnell zu bedienender Verschluss ein, der auch gut in das Mittelalterthema passt. Dann konnte ich tatsächlich "loskonstruieren"...

Das Oberteil, hier liegt die obere Spitze allseitig geschützt drin und wird von einem rasch zu lösenden Klemmriemen sicher im Bett gehalten.

Die Aussparungen Durchbrüche und Klemmschienen wurden penibel gemessen und geformt.

So halten die Riemen später die Spitze auch wirklich zuverlässig im Widerlager.

Das Unterteil nimmt das komplette Gewicht auf und ist dazu innen ideal geformt. Beim Slicen ist das besser zu sehen, also mal ein Bild der mittleren Schicht in Cura. (Die Druckzeit hält sich noch in Grenzen...., allerdings schlafe ich im gleichen Raum und bin froh, dass mein Drucker so schön leise läuft.)

Spezielles Material wurde auch bestellt, ein großer verzierter Messing-D-Ring zum schnellen Öffnen des Klemmriemens, ein farblich passender Gürtel (Daran hängt dann auch "Tjösnur"), mit Messingschließe im keltischen Design und die gedruckte "Scheide".

Es wird mit 2 Sorten Leder bezogen. Derr Korpus und die Gürtelhalterung sind solide und tragfähig aus 2,8 mm Blankleder im entworfenen Design, mit blauen Velournappa-Applikationen, -Verkleidungen und Riemen. (Der oben abgebildete Klemmriemen ist nur zur Funktionskontrolle.)

Hier mit geöffnetem Verschluß und ein nachvollziehbarer Größenvergleich (1€-Stück)


4. Die Lederarbeiten

Auf der Rückseite des Leders erfolgt eine komplette Bemaßung. Hier wird die Position der späteren Prägungen festgelegt, der Schmuckbordüren und die Abstände der Widerlager.

Dazu muss natürlich unbedingt vorher im oberen Widerlager das Leder eingepasst werden, da das Leder im Halter ja insgesamt 1,6mm aufträgt, verändert sich natürlich dadurch auch der Abstand zwischen der unteren Hülse und dem oberen Halter.

Verklebt und fein versäubert wird das Ordalium klapperfrei gehalten...

und mit dem Klemmriemen sicher fixiert.

Dann wird in drei Durchgängen gepresst und anschließend die Schmuckbordüren punziert.

Diesesmal sieht man den Erfolg der geänderten Drucktechnik. Die Schwerter sind perfekt ausgerichtet und die neuen Klischees hielten dem hohen Druck auch stand.

Die Details werden nun wirklich perfekt und man kann hier gut selbst das Muster meines Kreuzleders und meinen eigenen Schwertentwurf wiedererkennen...

Noch mal ein Blick auf das originale Vorbild.

Jetzt werden die Quernähte vorgelocht,

denn diesesmal werden die Löcher noch mal einzeln, sauber nachgestanzt.

Das Ergebnis wird so eine saubere und gerade Naht sein.

Vorschneiden,

Wässern und Strukturen schaffen,

und dieses Mal feucht gefärbt. Nicht gut zu sehen, aber die Farbe wird toll!

Noch ist es zu dunkel,...

aber es kommen schon die Strukturen schön zur Geltung.

Nach dem Trocknen , Formen und dezentem Anschleifen, konnte heute der finale Zuschnitt und die Position aller Nähte festgelegt werden. Messen, prüfen, messen, prüfen, ... Schnell noch die Applikationen auf dem blauen Leder vorzeichnen, bevor Ober- und Unterteil eingefasst sind. Dann wurden die Nahtlöcher vorgestanzt und nachgelocht.

Alle frischen Schnitt- und Lochkanten müssen natürlich vor dem Vernähen akkurat nachgefärbt werden. Das Nachfärben muss man regelmäßg während der Arbeiten machen, es gibt eben Stellen an die man nach dem folgenden Arbeitsschritt nicht merh richtig drankommt, dann muss man es vor diesem Schritt erledigen.

Drei Seiten des Lagers und des Widerlagers werden eingeklebt, hier sind schon zwei Seiten fixiert.

Nun kann man erahnen, wie das Ordalium später in seiner Hülle ruht.

Die Kanten an den Enden sind wichtig und werden ja noch mit blauem Wildleder verkleidet und vernäht.

Eine exakte Ausrichtung ist dabei das A & O, ebenso wie der vorherige Anschliff.

Auch innen, also wie bei einer Griffschalenverkleidung.

Perfekt, der Torpedo sitzt nach der Verklebung perfekt und wackelfrei in seinen Lagern.

Bevor die 3. Seite verklebt wird, muss man an die Riemendurchführungen denken, sonst schneidet man "ins Blaue" hinein.

Die Gürtelschlaufe an der Rückseite darf dann auch wieder das Dampfpaddler-Logo zieren.

Die Baseball-Naht ist gelungen und das Blau ergänzt schön die Oxblood-Farbe und schlägt dann auch die Verbindung zum "Tjösnur". Beide werden ja auch am gleichen Gürtel getragen.

In den Abschlüssen konnte ich nicht wie gewohnt lochen. Spitzahle und Nadel kamen nur dank der Zange mit dem renitenten Velourleder zurecht. An jedem Loch kam die Zange somit 4 x zum Einsatz.

An der Rückseite, die ja am Beine baumelt, wird die tragende Naht natürlich versenkt, damit sich sich nicht aufreiben kann. (Gut, es wird wohl sehr selten getragen werden, aber die Funktionalität soll gegeben sein.)

Hier werden immerhin 3 Lagen Leder mit insgesamt mehr als 8mm durch eine solide Sattlernaht für die Ewigkeit aneinander geheftet.

Die Kanten versiegelt, gefärbt, poliert, das Blankleder gefinished, ist das Finale bald erreicht.

Ein doch recht ausgefallenes "Halfter".

So in etwa soll der hübsche D-Ring da mal sitzen. Der Klemmriemen ist jetzt noch das letzte Detail, welches noch umgesetzt werden muss...

Auch hier verschlang die Planung mehr Zeit, als die eigentliche Ausführung. Der D-Ring muss beweglich bleiben und es sollte auch nicht zuviel von dem hübschen Muster abgedeckt werden.

Auch sollte er nicht schräg im Widerlager sitzen, (der Torpedo verjüngt sich ja nach oben hin).

So gefällt mir das. Ein beherzter Zug am D-Ring ...

und die Spitze ist entriegelt.

Man hat einen guten Zugriff ...

und das Ordalium kann, obwohl es immer noch fest im Halfter sitzt,

ganz leicht entnommen werden.

Es ist kaum zu glauben, es sind da über 100h Arbeit, (allerdings überwiegend für den Entwurf und Nachdenken über Detaillösungen, also der Planung), zusammen gekommen. Die Druckzeit von ~20h sind da noch nicht mal mit eingerechnet. Es hat sich aber gelohnt, man kann die Waffe sicher am Mann tragen, die Spitzen sind gut geschützt und es lässt sich wie geplant mit einer Hand "entriegeln", ziehen und werfen.

Wenn man überlegt, dass es dabei nur um ein Stück Stahl geht, welches gerade mal 28,00€ gekostet hat... Das geht nur, wenn man da ein ganz klein bisschen "verrückt genug" ist. Zusammen mit Tjösnur, am gleichen Waffengürtel getragen, ergänzt sich das Design und passt auch gut zum mittelalterlich bunten Ornat. Man sollte sich von den hübschen Farben und Ornamenten jedoch nicht täuschen lassen, beide sind absolut hochwertige und tödliche Waffen, die auch härtesten Anforderungen gerecht werden könnten.

Zusammen mit dem passenden Buckler (folgt bald!) ist es dann endlich komplett.